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Sigi Grabner radelt...

Tag drei: Nur noch Essen und eine heisse Dusche
Tag drei: Nur noch Essen und eine heisse Dusche

Tag drei: Nur noch Essen und eine heisse Dusche

Hier ein Ausschnitt aus Sigi Grabners Online Tagebuch zu seiner Reise "Von Andorra bis ans Ende der Welt":

Tag 3:
Tafalla - Estella - Sta Cruz de Campezo - Castilla - Miranda de Ebro - Poza de la Sal - Masa - La Nuez de Arriba - Basconcillos del Tozo irgendwo in der Pampa NW von Burgos
239km, 9h15min, 2.255 HM, Temperatur 11° - 33 °.
Gesamtkilometer: 665.

"Heute liegt ein Wahnsinnstag hinter mir und ich bin hundemuede. Jetzt sitze ich in einem gottverlassenen Provinznest irgendwo in der Pampa nordwestlich von Burgos und schlinge einen Berg Arroz samt einem Riesenstueck gegrilltem Fleisch hinunter, esse eine Schuessel Salat und Obst dazu und trinke heissen Tee. Ein Unwetter mit Blitz und Hagel hat mich weich gespuelt und seit 55km suche ich einen Unterschlupf. Eine Strasse zum Verrecken. Das einzige Hotel weit und breit in Poza de la Sal - gecshlossen. Die naechste Ortschaft besteht aus 4 Haeusern und einer Kirche. Zwei Haeuser davon sind verlassen, es ist eine Gegend zum Verrecken. Obwohl sie den Rioja hervorbringt…

Endlich habe ich ein Dach ueber dem Kopf. Seit 55km habe ich zwischen Miranda de Ebro und La Nuez de Arribo ein Hotel gesucht. Es gibt nichts, kein Dorf, keine Tankstelle, kein Gar nichts. Nur eine endlose Strasse, auf der LKWs fahren, veroedete Ortschaften mit verlassenen Haeusern. Und dann komme ich bei Masa auf eine Hochebene (1050m). Was sehe ich dort? Windraeder wohin man schaut. Mehr Windraeder als Baeume in der Steiermark. Wo Windraeder, da Wind! Natuerlich. Es ist zum Verzweifeln. Und dann wird es ploetzlich finster und es bricht ein Unwetter mit Hagel und Blitzen los dass mir Hoeren und Sehen vergeht. Ich kann gerade noch meine Regenjacke und den Helmschutz ueberziehen, dann hagelt es los. Kein Dorf weit und breit, kein Hotel, kein Essen. Ich bin schon knapp dran, einfach einen LKW aufzuhalten und mich mitnehmen zu lassen, egal wohin. - Eine Frau an einer Tankstelle sagt mir dass es im naechsten Ort ein privates «Hostal» gibt. Nichts wie hin. Und jetzt bin ich hier in Basconcillos del Tozo gelandet, im einzigen «Etablissement» seit 55km. Es sind noch 35 km bis zur naechsten Stadt, aber ich bin zu fertig, ich bleibe.

Eins sei hier aber ganz offiziell verkuendet: die spanischen LKWfahrer sind ausnahmslos toll! Sie fahren ruecksichtsvoll, wenn sie einen Radfahrer sehen, sie draengen dich nicht ab, weichen dir weit aus und sind total freundlich. Das findest du sonst nirgends. Amigos siempre!

Was noch? Heute frueh fuhr ich bis Estella auf ein gepflegtes Fruehstueck und kreuzte dort wieder den Jakobsweg - offiziell heisst er Camino de Santiago. Ich treffe dort auf scharenweise Santiago Pilger - kollektives Wandern - und muss fluechten! Von Estella bis Sta Cruze faehrt dann ein zweiter Radfahrer in meinem Windschatten mit, ein Franzose aus Mulhouse. Danach aber wird es einsam auf meinem Weg nach Westen, ausser Windraedern nichts, nur Unwetter, aufgelassene Ortschaften,schlechte Strasse und eine gottverlassene Gegend.
Ein Adventure Tag, ich bin muede und habe Blasen am A***. Morgen werde ich mich ein bisschen erholen - vielleicht steige ich schon nach 180 kmab und bleibe in einem VierSterne Hotel ;-)

Fazit heute:
So einfach ist der Mensch gluecklich zu machen: Ein Essen und eine heisse Dusche und die Welt ist wieder in Ordnung.

Weitere Informationen zu Sigi Grabner, seinen Projekten und der Rad-Tour 2009 gibt es im Internet unter:
www.sigigrabner.com
www.wingsforlife.com

Sigi Grabner - 05/06/2009